Plattenladenwoche Nummer Zehn: 15.-20.10.

Vom 15. bis 20. Oktober 2018 heißt es wieder: Plattenladenwoche! Und zwar bereits zum zehnten Mal – 2009 hat unser Fachhändlerverband AMM die Veranstaltung aus der Taufe gehoben, seitdem hat sich das Event zu einem festen Termin in der Musikbranche entwickelt. Mittlerweile nehmen rund 120 Läden in über 70 Städten teil. Auch in diesem Jahr soll damit die kulturelle Institution Plattenladen durch diverse Veranstaltungen und limitierte Sonderauflagen in den Mittelpunkt gerückt werden: als Hort der Musikkultur, als Ort, an dem die Musik und nicht das Produkt im Vordergrund steht.

Die Liste der diesjährigen Sonderveröffentlichungen steht bereits online, wir nehmen Reservierungswünsche, am besten zeitnah, gerne entgegen:

https://www.plattenladenwoche.de/specialreleases2018/

Und wir freuen uns auf ein Ladenkonzert mit Robin van Velzen, featuring Frieder Graef am 18.10., 18 Uhr!
Der in Deutschland lebende Niederländische Sänger/Gitarrist/Songwriter Robin van Velzen ist einer der Masterminds der Prog/Kraut/Art/Pop Formation Bambi Davidson. Davor hinterließ der Musiker bereits bleibende Spuren mit seinen Bands The Mother, The Son & The Holy Ghost, Church Of The Blue Nun, Megakronkel sowie als Sidekick bei den lokalen Indierock Ikonen The Robocop Kraus und Hidalgo. Jetzt ist es endlich Zeit geworden für sein erstes Solo-Album: Mit der selbstbetitelten 12“ liefert er ein kompromissloses, hochmusikalisches Album ab, dessen acht Tracks zwischen großem Songwriting, hypnotischem Groove und Minimal Music changieren.

Jonathan Jeremiah: Good Day (CD, LP)

“A Solitary Man”, das Debüt von Jonathan Jeremiah, beschrieb die BBC 2011 als „elegant und voller Seele, ein köstliches Artefakt aus der Songschreiber-Klasse der 1970er”. Auf seinem vierten Album “Good Day“ bündelt der Singer-Songwriter diese Qualitäten wie unter einem Brennglas: die bemerkenswerte Tiefe seines Songschreiber-Handwerks, schwelgerisch schöne Arrangements, dazu diese warme, immer etwas weltmüde Stimme, die sich um Melodien schmiegt, die einen nicht loslassen wollen.
Der Upbeat-Groove, dem schwer zu widerstehen ist, reflektiert, wie Jonathan sagt, „meine glücklichsten Momente der letzten drei Jahre. (…) Das Album hat eine Art europäisches Soul-Feeling. Ich hörte viel Serge Gainsbourg, Jacques Brel oder Scott Walker, der zwar Amerikaner ist, aber in London lebt. Wir haben in Europa ein reiches Erbe an Soul- und Jazz-Musik. Und das sollten wir mehr würdigen.“
Authentisch wirkt „Good Day“ vor allem auch durch den warmen, natürlichen Klang, der in den Londoner Konk-Studios des The-Kinks-Sängers Ray Davies entstand. „Ray hat dieses wundervolle Studio, das kein bisschen ’schickimicki‘ ist, sondern eher alt und rustikal. Das allerletzte, was ich möchte, ist, ins Studio zu gehen und erstmal einen Rechner hochfahren. Wir nehmen auf altem analogem Equipment auf, 16 oder acht Kanäle. Das schränkt dich ein, macht es schwerer, Spielfehler auszubügeln. Es verlangt mehr Disziplin und das mag ich.“

„Der Brite wollte nur von positive Erlebnissen erzählen. Vieles hier klingt schwelgerisch retro. Der Mann hat danach gestrebt, die große, gediegene Pop-Ballade – gerne von Streichern begleitet – wieder aufleben zu lassen. Das ist ihm bestens gelungen. (…) Ich kann mich Jeremiahs weiterentwickeltem Songwriting jedenfalls kaum entziehen.“ (BR Zündfunk)

Boz Scaggs: Out Of The Blues (CD, LP)

„Out Of The Blues“ beendet die stilistisch weit gefasste Album-Trilogie voller Scaggs-Lieblingssongs, die 2013 mit dem grandiosen „Memphis“ begann und 2015 nicht minder gelungen mit „A Fool To Care“ fortgesetzt wurde: „Weil ich im Südwesten aufgewachsen bin, habe ich auch all das wilde Zeug aus Südtexas und Louisiana gehört, das ganz anders war als die Musik, die die Backfische in anderen Gegenden damals kannten. Diese Alben sind eine Erkundung dieser frühen Einflüsse, gefiltert durch verschiedene Lebensabschnitte.“ (Boz Scaggs).

Die Begleitmusiker auf „Out Of The Blues“ stammen mal wieder aus der ersten Reihe der Gilde und spielen unglaublich dicht und geschmackssicher: Charlie Sexton, Doyle Bramhall II sowie Ray Parker Jr. an der Gitarre, die Tasten bedient Jim Cox, die Harp spielt Jack Walroth, Bassist Willie Weeks und Jim Keltner – einer der besten Schlagzeuger der USA – bilden die Rhythmusmannschaft. Jack Walroth schrieb vier Songs für die vorliegende Platte, darüber hinaus gibt es Coverversionen von Bobby ‚Blue‘ Bland, Jimmy Reed, Magic Sam und Neil Young Stücken.

„Boz beherrscht hohe Lagen nahe dem Falsett, Blues-Tenor, Spoken Word mit Schmirgelstimme und Kopfstimme mit der Inbrunst eines Rockers. (…) Ein großer Pluspunkt ist, dass Boz Scaggs nie mit der Zeit geht. Seine Werke reflektieren die Musikgeschichte, und „Out Of The Blues“ schlägt eine Brücke von den 50er Jahren bis heute. Während man dem Blues thematisch gerne Tristesse, Trennungen, Schicksalsschläge, kurz den Dreiklang ‚Job grauenvoll, Partner weg, Geld knapp‘ nachsagt, geht’s hier quasi aus allen Tiefen heraus. „Out Of The Blues“ verfolgt einen optimistischen Ansatz, mit gelungenen Uptempo-Titeln.“ (laut.de)

Tucher Blues & Jazz Festival, 3.8.-12.8.2018, Bamberg

Zum 12. Mal treten in diesem Jahr Blues- und Jazzmusiker von internationalem Rang, bekannte regionale Bands sowie die besten Nachwuchstalente bei diesem Event auf. Inzwischen ist das Tucher Blues & Jazzfestival mit über 70 Konzerten an 10 Tagen das und etwa 150 000 Gästen das größte eintrittsfreie Open-Air Ereignis dieser Musikrichtungen in Deutschland. Besonders ans Herz legen, möchten wir euch den Auftritt der wunderbaren Eilen Jewell (8.8., 16:30 Uhr, Maxplatz). Die Singer/Songwriterin aus New Mexico, die ihre Karriere einst als Straßenmusikerin begann, hatte schon immer ein Faible für alten US Folk. Folgerichtig veröffentlichte sie im letzten Jahr gemeinsam mit ihrem Mann dem Drummer Jason Beek unter dem Titel „Down Hearted Blues“ (CD, LP+MP3) ein reines Coveralbum mit eher unbekannten Song-Perlen: “We really love to uncover the past. It’s almost like digging for buried treasure”.
Auch ein Highlight dürfte der Auftritt von Wille & the Bandits (12.8., 19:30 Uhr, Maxplatz) werden. Die Briten mixen gekonnt Blues, Rock, Psychedelic, Folk und die rhythmische Offenheit von Jam-Bands. „Eine der besten Live-acts des Landes“ meint der Daily Telegraph und Deep Purple lobten sie als „die beste Support-Band, die wir je hatten“.

Der Schallplattenmann empfiehlt: 43. Nürnberger Bardentreffen, 27.7.-29.7.2018, Altstadt

Schweizer Mundart, Transgender und Arabischer Frühling: In diesem Jahr dreht sich beim Bardentreffen in Nürnberg alles rund um das Thema Rap. (NN) „Für uns kommt den Rappern von heute die Funktion der Liedermacher von damals zu: gesellschaftliche Zustände geistreich hinterfragen und kritisch kommentieren“, so der künstlerische Leiter Rainer Pirzkall. „Somit ist das Bardentreffen aktueller denn je, und in der Tradition doch fest verwurzelt“.
Mit dabei sind als deutschsprachige Vertreter des Genres unter anderem Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi, Fiva x JRBB, Goldroger, die Österreicherin Yasmo & Die Klangkantine und die Schweizer Chartstürmer Lo & Leduc. International sprechsingende Gäste sind nur zum Beispiel 47Soul aus dem Nahen Osten, N3rdistan aus Marokko, der aus dem Kongo stammende Belgier Baloji oder das eigens für das Bardentreffen initiierte Projekt mit der Gälin Ellen MacDonald & Daimh, die schottische Mouth-Music mit modernem Rap kombinieren.
Natürlich kommen auch weltmusikalische Projekte abseits des Sprechgesangs, ‚traditionelle‘ Liedermacher sowie die regionale Musikszene (wie immer auf der MUZ Bühne am Lorenzer Platz) nicht zu kurz.
Wer „das größte Umsonst & Draußen Musikfestival Deutschlands“ (SZ) mit einem kleinen Beitrag unterstützen will: Programmhefte (an den gängigen Vorverkaufsstellen, in vielen Buchhandlungen sowie bis Festivalbeginn online) und Pins in Form eines Mikrofons sind für jeweils fünf Euro erhältlich.
Und wer noch mehr als nur Musik will: es sind acht spannende Künstlergespräche geplant; im Herrenschießhaus werden zwei Musik-Filme gezeigt; im Heilig Geist Spital findet am abends ein Tanzworkshop statt. Eben dort werden auch wir wieder mit einem Stand vertreten sein und freuen uns auf euren Besuch! Ausführliche Informationen zu allen Bands, zum Rahmenprogramm und natürlich wer wann wo auftritt, findet ihr auf der Festival Homepage.