Der Schallplattenmann empfiehlt: Jazz Open Air, 8.7.2018, E-Werk Garten, Erlangen (Eintritt frei – Spenden willkommen)

Zum Saison-Abschluss vor der Sommerpause lädt die Konzertreihe Jazz4free zum traditionellen Open Air. Drei Bands spielen bei freiem Eintritt, wobei der stilistische Rahmen genauo breit und vielfältig ist wie beim Sonntags-Jazz in der Kellerbühne.
Den Anfang machen um 17 Uhr die in Franken bestens eingeführten SRS Jazzmen. Bereits Ende der 60er Jahre formierte sich die Studentenband in Erlangen, damals noch unter dem Namen „Swinging Reed Section“ und begeisterte bei zahllosen Auftritten mit Dixieland und Swing. In der heutigen Besetzung mit bekannten Musikern der regionalen Jazzszene dürfen sich die Zuhörer auf fetzige Arrangements, witzige Einlagen und hemmungslose Soli freuen.
Weltmusikalischen Jazz liefern im Anschluss um 18.30 Uhr Grandessa: Ihr Repertoire besteht aus einem delikaten Mix aus den Bereichen Gypsy, Musette, Swing, Jazz, französischem Chanson, Balkan und Tango, sowie Klezmer und internationaler Salonmusik. Mit traditionellen und zeitgenössischen Kompositionen aus Europa, Afrika, Asien und den USA gleicht ein Konzert mit Grandessa einer musikalischen Weltreise.
Der mittlerweile in Köln lebende Saxophonist Johannes Ludwig sorgt ab 20 Uhr mit seinen Freunden Lukas Großmann (Piano), Victor Mang (Bass) und Johannes Koch (Drums) für den krönenden Abschluss eines abwechslungsreichen Festivals: Vier Freunde überzeugen mit einer kraftvollen Musik voll tiefer Momente, energetischen Austauschs und faszinierender Interaktion.

Esbjörn Svensson Trio: Live In London (2CD, 2LP+MP3)

Den Schock seines Todes hat der europäische Jazz bis heute nicht verwunden: Als der Pianist Esbjörn Svensson am 14. Juni 2008 bei einem Tauchunfall starb, hinterließ er ein monumentales Werk aus 15 Jahren, das heute sogar noch glänzender strahlt als damals und dessen Einfluss immer größer wird. Kurz vor dem zehnten Todestag ist nun beim deutschen Label ACT ein Doppelalbum erschienen, das die Magie der Musik des schwedischen Esbjörn Svensson Trios (kurz: e.s.t.) bündelt: ein Live-Mitschnitt von 2005, als der gerade 41-Jährige und seine Mitstreiter Dan Berglund (Bass) und Magnus Öström (Schlagzeug) mit dem Studiowerk „Viaticum“ auf der Höhe ihrer Kunst waren. Mit mehr als 100.000 verkauften Tonträgern avancierte es später zu einem der erfolgreichsten Jazz-Alben des Jahrzehnts. „Mann, wir waren wirklich gut an diesem Abend! Wir sind volles Risiko gegangen. Wir waren ‚on fire‘!“, erinnert sich Bassist Berglund. Vorwärts stürmende Verve und Virtuosität, Groove und Improvisationskunst, poppige melodische Zugänglichkeit und neoklassische Raffinesse – wie bei keinem anderen Ensemble fanden diese Elemente in Kompositionen und Live-Spiel zusammen.

The Green Apple Sea: Directions (CD, LP)

Am 18.5. erscheint es (endlich): „Directions“ (CD, LP) das neue Album von The Green Apple Sea aus Nürnberg. Intro.de gefällts schon mal: „Alt-Country aus dem Frankenland. Das klingt auf dem Papier seltsam, geht aber auch mit einer poppigeren Ausrichtung voll auf. (…) Der nun wirklich verdammt lang erwartete Nachfolger (von „Northern Sky / Southern Sky“ aus dem Jahr 2010) legt direkt im Opener »Doc Watson Dream« inhaltlich mit einer persönlichen Auseinandersetzung mit der Musik sowie cleveren Anspielungen und Quellenangaben los, während im Hintergrund Pedal-Steel-Gitarren die Wege pflastern. Diese wurden auf »Directions« wieder wie nebenbei mit den altbekannten Markenzeichen wie weiblichen Background-Vocals geschmückt und sind im Vergleich zu früher hörbar leichter begehbar, ohne ins Seichte abzugleiten.“

Die Band tourt gerade und tritt am 25.5. im MUZ Club Nürnberg auf.

Michael Wollny: Oslo & Wartburg (CD, LP+MP3)

Michael Wollny nimmt seine Fans 2018 mit auf eine spannende musikalische Reise: von der norwegischen Hauptstadt „Oslo“ (CD, LP+MP3) bis nach Thüringen, zur historischen „Wartburg“ (CD, LP+MP3). Gleich zwei Werke entstanden im letzten Jahr an diesen beiden speziellen Orten, ein Studio- und ein Livealbum. Anfang September des letzten Jahres nahmen Michael Wollny, Christian Weber und Eric Schaefer in der norwegischen Hauptstad Oslo ihr neues Album auf. ACT-Chef Siggi Loch lud zu dieser besonderen Aufnahmesession ins Osloer Rainbow Studio, an der am Schluss auch das Norwegian Wind Ensemble unter der Leitung von Geir Lysne beteiligt war. Da trafen dann Jazzer auf klassische Musiker. Ein Wagnis, dem Wollny recht gelassen entgegen blickte. „Wir hatten ja zuvor schon einige Male gemeinsam auf der Bühne gestanden“, erzählt er. „Weil dieses Orchester seit ein paar Jahren an freier Improvisation arbeitet, wussten wir, dass wir den Musikern vorab so gut wie nichts notieren mussten.“

Nur eine Woche später gab das Michael Wollny Trio, unterstützt vom französischen Saxofonisten Émile Parisien, anlässlich des ACT Jubiläums ein Konzert im Rittersaal der Wartburg über der Stadt Eisenach. Diese besondere Performance wurde von Adrian von Ripka live aufgenommen und ist jetzt als CD und LP erhältlich. Da die Burg noch bis zum frühen Abend für Touristen geöffnet war, blieb für ausgiebiges Proben keine Zeit. Die Lösung: Improvisation – dafür ist der deutsche Pianist ja bekannt. „Selbst wenn man versucht, Situationen vorzubereiten, entsteht am Ende doch meistens etwas anderes. (…) Mit dem Beginn der Improvisation wird Musik für mich erst richtig spannend.“

„Seine Alben sind nichts weniger als State of the Art in Sachen Piano.“ (Stereo)

„Wenn es zurzeit einen Musiker aus Deutschland gibt, der unvorhersehbar, kreativ und populär zugleich ist, dann fällt die Wahl auf Michael Wollny.“ (Literatur-Spiegel)

Live bei uns: The Sandbox Josephs, 5.4.2018, 18Uhr, Eintritt frei!

Bei den Sandbox Josephs aus dem Pegnitztal ist die Besetzung Programm: Eine Weissenborn Lap Steel, ein Banjo, eine elektrische Gibson. Mit diesen Instrumenten zaubern die Josephs einen ganz eigenen Sound herbei, mal zart und nahezu kammermusikalisch, mal erdig und roh. Die zum großen Teil selbst geschriebenen Lieder nehmen ihre Zuhörer mit auf die Reise durch das weite Land der southern sadness, wobei zwischen Blues und Bluegrass noch genügend Raum für wilde Euphorie und heroische Zusammenbrüche bleibt. The Sandbox Josephs verstehen sich auf die Kunst, traurig zu sein ohne zu jammern. Aber vielleicht ist das auch einfach nur typisch fränkisch. Und, ja: Die Josephs kennen sich tatsächlich seit Sandkastenzeiten. Gut eingespielt also. Die drei Herren werden ihr nagelneues Debüt-Album „Dig“ vorstellen, wir freuen uns sehr drauf!