Jimi Hendrix: Valleys Of Neptune

Wenn knapp 40 Jahre nach dem Tod des nach wie vor unübertroffenen Gitarristen aus Seattle ein ‘neues’ Album mit bisher unveröffentlichten Aufnahmen erscheint, muss man erstmal fast zwangsläufig Leichenfledderei, Rip-Off und Ausverkauf wittern. Aber die den Nachlass verwaltende Schwester Janie Hendrix und der geniale Original-Toningenieur Eddie Kramer haben einen perfekten Job getan, indem sie zwölf unveröffentlichte Studio-Takes bekannter, weniger bekannter Songs und Interpretationen von Elmore James (“Bleeding Heart”) und Cream (“Sunshine Of Your Love”), die größtenteils zwischen Februar und Mai 1969 entstanden waren, mit heute möglichen technischen Mitteln zu einem imaginativ stimmigen Album kompilierten.

“Valleys Of Neptune” (CD/2LP) klingt derart frisch, direkt präsent, rau und wild; man kann Jimi all seine Register zwischen furios und gefühlvoll, expressionistischem Blues und futuristischem Funk-Beat ziehen hören: Ein Blick aus gegenwärtiger Sicht auf das Phänomen Jimi Hendrix, einen naturgewaltigen Jahrhundertmusiker vom Schlage eines Miles Davis oder John Coltrane, heute noch so lebendig, dass sich förmlich vorstellen lässt, wie außerirdisch sein Sound, seine Musik gewirkt haben müssen als er die Szene enterte. Epochal!

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Der Schallplattenmann präsentiert: JazzToday mit Tord Gustavsen Quartet/Dieter Ilg Trio, E-Werk Erlangen, 11.04.2010

Außerhalb seiner Heimat wurde der norwegische Pianist Tord Gustavsen vor allem durch sein Wirken in der Band der Sängerin Silje Nergaard bekannt. Nach drei erfolgreichen Solo-Alben in Trio-Besetzung (“Changing Places”, 2003; “The Ground”, 2005; “Being There”, 2007) hat Tord Gustavsen mit Mats Eilertsen den Posten des Kontrabassisten umbesetzt und durch Hinzunahme des Saxofonisten Tore Brunborg zum künftig für weitere Gäste offenen Ensemble aufgestockt.

Auf seiner jüngsten CD “Restored, Returned” (wiederum auf ECM) wird dieser frisch konzipierte Gastreigen durch gelegentliche Beiträge der Sängerin Kristin Asbjørnsen eröffnet (die Gustavsen jüngst auf deren 2009er Tour durch Deutschland begleitet hatte). Gebläse und Stimme lassen die Klangfarben wärmer werden, auch wenn das Tord Gustavsen Ensemble prinzipiell weiter dem ‘Quiet is the new loud’-Prinzip folgt: Reduktion auf die nötigsten Töne, Aus- und Innehalten – Pausen, Stille, Langsamkeit kontrastieren nahezu gleichberechtigt die letztlich gespielten und gesungenen Töne. Reizvolle Brüche und Zäsuren unterscheiden “Restored, Returned” vom durchwegs kontemplativen Flow der vorangegangenen Tri(o)logie.

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Auch wenn Ausnahmesängerin Kristin Asbjørnsen im aktuell tourenden Tord Gustavsen Quartet nicht mit von der Partie ist, darf man sich auf grandiosen ‘JazzToday’ freuen, zumal in dem Doppelkonzert mit Dieter Ilg einer der führenden deutschen (Kontra-)Bassisten seine neue CD live präsentieren wird: eine originelle Jazz-Trio-Bearbeitung von Themen aus Giuseppe Verdis berühmter Oper “Otello”.

Tickets für die Veranstaltung sind neben den üblichen Vorverkaufsstellen auch im Laden erhältlich.

Mehr Info:

http://www.e-werk.de/content/prog_mehr.php?id=6634

http://www.tordgustavsen.com/

http://www.dieterilg.de/

Portico Quartet — spannender Post-Jazz aus Londons Osten

Philip Glass, Steve Reich, Alice/John Coltrane, Radiohead, Arthur Russell, Sun Ra oder E.S.T. mit zusätzlichem Saxofonisten/Elektroniker als Quartett und Hang (ein melodisches Schlag-Instrument) anstelle des Pianos — das sind Referenzen, die einem beim Hören von “Isla” durch den Sinn mäandern, aber dennoch lässt sich nicht sagen, Musik wie die des jungen Londoner Portico Quartet schon einmal so gehört zu haben. Umso bemerkenswerter in post-modernen Zeiten, wo fast jedes Next Big Thing, ob bewußt Einflüsse zitierend oder nicht, letzlich doch meist wie irgendwas oder irgendwer klingt.
Nach dem Debüt “Knee Deep In The North Sea” (2007) produzierte Tonregisseur John Leckie (u.a. Radiohead) in den Abbey Road Studios den soeben auf RealWorld als CD und auf LP veröffentlichten Zweitling — eine spannende Platte zwischen allen erdenklichen Stühlen, von der und über die wir noch viel hören werden.
Im April 2010 wird man sich hierzulande — hoffentlich bestuhlt und vor einem Publikum, das noch zuhören kann ohne nervös am Handy herumzufummeln — auch live von den Qualitäten der vier introvertierten Quertöner überzeugen können.

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Mehr Info:
http://porticoquartet.com/
http://www.myspace.com/porticoquartet

Krisenfestes Investment

»There is a proper procedure for taking advantage of any investment. Music, for example. Buying a CD is an investment. To get the maximum you must LISTEN TO IT FOR THE FIRST TIME UNDER OPTIMUM CONDITIONS. Not in your car or on a portable player through a headset. Take it home. Get rid of all distractions, (even her or him). Turn off your cell phone. Turn off everything that rings or beeps or rattles or whistles. Make yourself comfortable. Play your CD. LISTEN all the way through. Think about what you got. Think about who would appreciate this investment. Decide if there is someone to share this with. Turn it on again. Enjoy yourself.«

Der 60-jährige Bürgerrechtsaktivist, Dichter und Pionier der Soul-Jazz-Poetry Gil Scott-Heron in den Liner Notes seines Comeback-Albums “I’m New Here” (CD, 2LP).

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